Großstadtflair im kleinen Stuttgart: Der Street Food Market „Gaumenfreude“

Street Food Market Stuttgart Gaumenfreude Infos

Street Food Märkte sind ja die Chiasamen des 2015er Jahres: Jeder redet darüber, dauernd sieht man Fotos in den sozialen Medien und hip sind sie ja sowieso total. Kein Wunder, dass das Event extrem gut besucht wird, wenn etwas in der Art mal in der eigenen Stadt statt findet. So auch in Stuttgart passiert im Frühling diesen Jahres. In einem eingezäunten Areal standen die Foodtrucks und Stände und ab einer gewissen Uhrzeit stand man mindestens eine Stunde zum Eintritt an und möglicherweise eine weitere am Stand mit dem Wunschessen. Natürlich wurden schlechte-Laune-Stimmen im Internet wieder sehr laut. Von „mieser Organisation“, „überfülltem Gelände“ und „überteuerten Preisen“ war die Rede. Menschen, die so schreiben, haben das Konzept eines Street Food Markets nicht verstanden.

Street Food? wird sich der eine oder andere fragen. Kenn ich. Herbert von der Currywurstbude unten an der Ecke macht das seit 30 Jahren. Ja und nein ist hier die Antwort. Street Food habe ich selbst in New York von bald 10 Jahren kennen gelernt. Chicken over Rice von der 53rd Street ist weltbekannt und da stehen die Menschen teilweise bis zu einer halben Stunde an, um mit einer Plastikbox voll dampfendem Essen wieder zu gehen. In der Mittagspause, nach der Arbeit oder auf dem Weg zum nächsten Sightseeingpunkt. Darum geht es bei vielen Street Food Trucks; dass sie dahin kommen, wo sie gebraucht werden. An die Ecke, wo besonders viele Leute vorbei kommen und Hunger haben.

In Deutschland kommt dieser Trend nach und nach. In unserer Straße vor der Firma parkt montags z.B. immer ein Maultaschen- und Linsen/Saitenwürstel-Wagen. Das zeigt, dass bisher eher die arbeitende Bevölkerung die Zielgruppe waren. Das Besondere an Street Food gegenüber der Currywurstbude ist das angebotene Essen. Klar ist, es muss schnell gehen, gut schmecken und aus der Hand essbar sein. Und hier ist die Street Food Branche eine Chance für Ungewöhnliches. Der geringere Einsatz an Investitionen gegenüber Restauranträumlichkeiten ist vor allem für Start ups oder Quereinsteiger interessant. Und so findet der in der Küche entwickelte vegane Burger den Weg in die Hände von zahlender Kundschaft (kurz gesagt). Oder eben auch typisch amerikanisches oder auch mexikanisches Essen für auf die Hand wie Burger oder Burritos. Der Vorteil eines Marktes ist a) für die Gäste die Auswahl an verschiedenen Speisen und b) für die Betreiber die Masse an Leuten, die sie niemals in nur einer Mittagspause im Gewerbegebiet erreichen könnten.

Und so kommen wir zurück auf den Markt. Der Veranstalter des wöchentlichen Marktes hat möglicherweise aus den Problemen des Marktes im Frühjahr oder auch anderen Märkten gelernt (auf der Facebookseite wird hingewiesen, dass diese von anderen Veranstaltern durchgeführt wurden). Durch das wöchentliche Angebot entzerrt sich die Masse an Menschen (im Frühjahr hatten sich 3600 Menschen über die FB-Veranstaltung angemeldet) und da man keinen Eintritt zahlen muss, kann man auch wieder gehen, wenn einem die Schlangen zu lang sind (vor allem der Schwabe würde 3€ Eintritt niemals so einfach flöten gehen lassen).

Wenn man sich an so einem Foodtruck anstellt und lange warten muss, darf man nicht vergessen, dass die Sachen wirklich noch handgemacht sind, und dass oft nur zwei oder drei Personen in einem Wagen Platz haben. Wenn ich einige hundert Burger am Tag über die Theke reichen müsste, wäre ich froh, wenn der Gast Geduld mitbringt. Denkt daran, wenn ihr mal die Möglichkeit habt, einen Street Food Market zu besuchen. Auf dem Markt in Stuttgart müsst ihr ca. ab 18 Uhr ein bißchen mehr Geduld mitbringen und eventuell ein Sitzkissen für die Steintreppen zum Denkmal.

Kommen wir aber nun zum Wesentlichen: Dem ESSEN!

Ich war nun schon zwei Mal auf unserem Markt, der seit Ende Juli jeden Donnerstag auf dem Karlsplatz in Stuttgart stattfindet. Es wird kein Eintritt gezahlt und es gibt viele Sitzmöglichkeiten und Stehtische. Die heißen Sommerwochen haben sicher einige Gäste über den Nachmittag fern gehalten (der Markt öffnet um 15 Uhr), dafür war es abends sicher besonders schön, als es noch wunderbar warm war (und schließt um 22 Uhr).

Bei unserem ersten Besuch hatte ich mir vorher auf der Facebookseite des Marktes angeschaut, wer alles kommt und mir so schon mal ein „Menü“ zusammengestellt. Von anderen Märkten hatte ich von Probiergrößen gelesen, was es bei uns aber nicht gibt. Wer sich aber das eine oder andere Gericht teilt, kommt sowohl preislich als auch kulinarisch bestimmt auf seine Kosten.

Hier seht ihr ganz wunderbare dreierlei gefüllte äh (ich glaube) Tortillas und einen Pulled Pork Burger, auch ein Klassiker unter den Burgern, der erst in den letzten Jahren einen Siegeszug durch die deutschen (Blogger-)Küchen angetreten hat.

Street Food Market Stuttgart Gaumenfreude (3)

Zum Nachtisch gab es etwas, was ich so in seiner Herrlichkeit nicht erwartet hatte: Strudel auf die Hand. Ihr kennt mich, ich bin kritisch, was Gebackenes angeht. Aber dieser Strudel! Lasst es mich so ausdrücken: Wenn ich meine Hochzeit noch einmal planen würde, würde ich diesen Wagen für den Nachtisch bestellen. Aber nicht als Tortenersatz. So weit geht die Liebe dann doch nicht 😉

Street Food Market Stuttgart Gaumenfreude (4)

Und weil wir ja noch nicht genug gegessen hatten, gab es auch noch Frozen Yoghurt zum Nachtisch. Denn das ist ja sowas wie Eis. Und Eis geht immer.

Street Food Market Stuttgart Gaumenfreude (5)

Bei unserem zweiten Besuch habe ich mir Dim Sum gegönnt, während meine Freunde sich einen Laugenburger holten. Ein bißchen war ich ja neidisch, weswegen ich direkt mit Pulled Turkey und Kartoffelspiralen hinterher zog.

Der Langos und der FroYo hinterher haben es schon gar nicht mehr aufs Foto geschafft. Aber wie ihr seht, gibt es eine tolle Auswahl an Angeboten, die durch außergewöhnliche Getränke ergänzt werden.

Was ich auch besonders mag, ist das Publikum dieses Marktes. Man sollte meinen, dass vor allem hippe Hipster anzutreffen seien, aber nein, die Mischung ist recht interessant: ältere Paare, junge Familien, Anzugträger, Studenten, von allem ist was dabei. Ich hoffe, dass das Wetter noch bis zum November mitspielt und ihr noch die Gelegenheit bekommt, euch dort einmal durchzufuttern.

Noch einmal für alle Informationen: Die Facebookseite

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3 Gedanken zu “Großstadtflair im kleinen Stuttgart: Der Street Food Market „Gaumenfreude“

  1. Hey Anna,

    wie ist es preislich so? Würdest du sagen, dass das für die Qualität gerechtfertigt ist?

    Der Food Market im Frühjahr war allerdings auch eine Katastrophe.
    Ich denke es widerspricht dem Konzept einen Zaun darum zu bauen, eine Security Mannschaft zu beauftragen und Taschenkontrollen zu veranstalten. Bei welchem Markt wäre so was nötig?

    Auch das Verbot, Essen vom Gelände zu bringen, widerspricht doch dem ganzen Gedanken.

    Ich fand es sehr schade, ich hatte mich sehr darauf gefreut. Allerdings finde ich es nun gut, dass offensichtlich eine super Alternative geschaffen wurde.

    LG SARAH

    1. Hallo Sarah, man sollte schon ein bisschen mehr Bargeld als sonst mitnehmen. Wenn ich mich richtig erinnere, lagen die Burger bei 6€, das Dim Sum bei 5, Getränke bei 2,50-3€. Da wir aber viel geteilt haben, um von allem zu probieren, war es preislich okay für Stuttgarter Verhältnisse.

      Lg Anna

  2. Hey Anna,

    Danke für den ausführlichen Bericht. Ich bin schon sehr gespannt, da der Markt nächste Woche nach Ulm kommt und ich weiss schon jetzt, dass die Ulmer erst recht meckern werden, die sind noch schlimmer als der Durschnittsschwabe.
    Bin gespannt auf die kleinen Apfelstrudel, da wart ich schon drauf seit ich das erste Mal ein Bild bei dir auf Instagram gesehen hab.
    Schönen Sonntag noch,
    Markus

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