Wie backe ich einen flachen Kuchen als Basis für Motivtorten?

Motivtorten sind ein Hintern voll Arbeit. So, wie eben hinter jeder kreativen Sache auch Arbeit steckt. Aber es gibt Möglichkeiten, sich die Arbeit zu erleichtern. Und im Falle von Motivtorten ist das die Basis: der Kuchen.

„Je ausgeglichener die Kuchenbasis, desto schöner kommt die Deko zur Geltung!“

Deswegen versuche ich den Teilnehmern in meinen Kursen immer so viel Information wie möglich zum Thema glatt machen mitzugeben. Für mich beginnt die Perfektion des Kuchens bereits mit der Backform. Schon nach kurzer Zeit, die ich mich mit Motivtorten beschäftigt habe, habe ich Springformen ganz nach hinten in den Schrank geschoben und habe mir die Formen von PME in allen Größen gekauft (erhältlich zB bei Torten-Art.de).

Diese Backformen haben im Gegensatz zu Springformen keine Rille unten, die wir später nur umständlich zuspachteln müssten mit Buttercreme. Bei den PME Formen gibt es zwei Höhen: 7cm und 10cm. Ich empfehle für „normale“ Motivtorten und für Anfänger erstmal nur die 7cm. Einen Kuchen mit 10cm einzudecken, ist nochmal anspruchsvoller. Für Hochzeitstorten und mehrstöckige Torten sehen höhere Etagen dafür hübscher aus. deswegen habe ich mittlerweile von beiden Höhen die wichtigsten Größen.

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Wir legen also zusätzlich mit der Backform (auf dem Bild: 28cm Durchmesser, 7cm Höhe) folgende Dinge bereit: 2 Blätter Backpapier, Trennspray (oder eine andere Art von Fett, das höher erhitzbar ist als Butter, z.B. Pflanzenöl), einen Stift und eine Schere.

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Für den Boden legen wir die Form auf eines der beiden Backpapierblätter und ziehen um den Boden einen Kreis. Diesen schneiden wir aus, so dass der Kreis genau den Boden der Backform innen bedeckt.

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Für den Rand der Form legen wir das zweite Papier an die Höhe der Form an und messen so die ungefähre Höhe. Hier kann man unterscheiden zwischen: a) jede Schicht pro Kuchen einzeln backen oder b) einen ganzen Kuchen am Stück backen. Wenn ihr den ganzen Kuchen am Stück backen wollt, müsst ihr natürlich die Teigmenge erweitern. Für einen Kuchen im Durchmesser 25, der normalerweise mit 400gr Mehl auskommt, nehmt ihr mindestens die 1 1/2fache Menge. Kuchen, die nicht so gut aufgehen, müssen entsprechend verdoppelt, wenn nicht sogar verdreifacht werden. Da kommt es ganz auf euer Rezept an.

Für a) schneiden wir den Seitenstreifen genau am Rand der Form ab und schneiden gleich 3 Mal so viel ab, da wir mit jeder Kuchenschicht das Papier mit raus holen. Wer superduper genau arbeiten will, macht dasselbe mit dem Bodenkreis. Aber bei meiner letzten Hochzeitstorte habe ich das auch nicht gemacht und habe für alle Böden denselben Papierkreis verwendet.

Für b) legen wir den oberen Rand des Streifen ca. 2 cm über dem Rand der Form an und geben dem Teig somit die Möglichkeit, ein bißchen an dem Papier „hochzukriechen“.

Nun fetten wir die Form von innen ein und legen den Papierkreis unten rein und bringen die Papierstreifen an den Seitenwänden an. Beim Durchmesser 25cm reichen zwei Streifen gerade aus. Bei der 28er Form, musste ich schon einen kleinen Teil hinzufügen, für die 30er Form und alles drüber müsst ihr auch noch ein bißchen mit einrechnen.

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Nun ist eure Form gut vorbereitet. Sicherlich fragt ihr euch jetzt: „Aber meine Mama hat mir beigebracht, die Form auszubuttern und mit Semmelbrösel auszustreuen!“ Ja, hat meine Mama mir auch so beigebracht. Aber die Butter und die Semmelbrösel fabrizieren eine Kruste, die wir bei normalem Kuchen sehr gern mögen. Haben wir sie jedoch als Unterlage einer Motivtorte, ist jeder Hubbel oder gar ein fehlendes Stück in der Oberfläche ein zusätzlicher Arbeitsaufwand.

In diese vorbereitete Form füllen wir unseren Teig. Entweder nur wenig für einzelne Schichten oder alles auf einmal für den normalen Kuchen. Und dann kommt etwas, was in der Tortenbranche jeder anders macht. Ich aber stelle den Kuchen in den kalten Ofen und bringen ihn dann auf Temperatur. Er braucht dann zwar insgesamt länger, aber wir vermeiden den Hubbel in der Mitte. Indem wir mit dem kalten Ofen starten, erhitzen sich Teig und Metall der Backform ähnlich langsam. Ist der Ofen schon vorgeheizt, geht die Hitze sofort in die Seitenwände und backt den Teig am Rand direkt aus, während der Rest in der Mitte noch weich bleibt und dann erst im Laufe des Backen nach oben geht. So entsteht der aufgerissene Hubbel in der Mitte, den wir zB auch oft bei Marmorkuchen oder Gugelhupf haben. Grundsätzlich neigen Sachertorte oder Biskuit weniger zu Hubbeln, können aber durch vorgeheizten Ofen auch in der Mitte höher werden. An sich ist der Hubbel ja nicht schlimm, allerdings muss man diesen dann abschneiden, bevor man den Kuchen weiter verwendet.

Wenn ihr nur die Schichten backt, ist es besser, wenn ihr die Temperatur schon ein bißchen oben habt, wenn der Kuchen rein geht, sonst sieht die erste gebackene Schicht anders aus als die anderen, wenn der Ofen schon heiß ist.

Insgesamt ist es auch von Vorteil, wenn die Temperatur ungefähr 10Grad unter dem liegt, was das Rezept vorgibt. Der Teig braucht auch dafür länger, wird aber schön gleichmäßig durch und brennt vor allem am Boden und an den Wänden nicht an.

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Wenn ihr den ganzen Kuchen gebacken habt, seid ihr nach der Backzeit + ca. 20 Minuten durch das Aufwärmen soweit und könnt den Kuchen aus dem Ofen holen. Wenn ihr nur die Schichten gebacken habt, stürzt ihr die Form nach kurzem Abkühlen. Die Schicht Kuchen kommt mit Papier raus, also vorsicht mit den Randstreifen, damit die euch den Kuchen nicht kaputt machen, wenn ihr stürzt. Am besten, ihr stürzt auf ein Gitter und nehmt alle Papiere sofort ab. Danach müsst ihr die Form neu vorbereiten, einfetten und mit Papier auslegen.

Ich mache es immer so, dass ich den Kuchen schon einen Tag vorher backe und ihn dann auch noch heiß und direkt aus dem Ofen mit Läuterzucker einstreiche, bevor er über Nacht abkühlen kann. Das sorgt dafür, dass der Kuchen nicht austrocknet und sich später toll mit der Füllung verbindet. Läuterzucker ist Sirup aus Wasser und Zucker im Verhältnis 1:1 (z.B. 100ml Wasser und 100gr Zucker aufgekocht). Hier habe ich eine Vanilleschote mit reingegeben, um einen Vanillesirup herzustellen.

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Wenn der Kuchen ausgekühlt ist, schneidet ihr entweder überstehende Teile ab, indem ihr mit einem großen Messer entlang der Backformkante schneidet (Messer mit der flachen Seite auflegen und entlang schneiden) oder ihr habt Glück und der Kuchen ist so gerade, dass er direkt gestürzt werden kann. Denn das ist der Clou an der ganzen Sache: unten ist jetzt oben. Denn unten ist der Kuchen schön kantig und grade.

Und ab hier könnt ihr dann entweder den Kuchen noch einschneiden und füllen. Oder (und das empfehle ich Anfängern) einfach so lassen und direkt weiter machen mit Einstreichen.

Ich hoffe, ich konnte euch gut erklären, wie ich gerade Basiskuchen für Torten mache. Bitte beachtet, dass dies meine Methode ist, die für mich am besten klappt. Solltet ihr erfolgreich andere Methoden benutzen, ist das auch super.

Natürlich könnt ihr diese Methode auch anwenden, wenn ihr eine Sahnetorte oder anderes backt, denn da tut eine gerade Basis ja auch nicht weh 🙂

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5 Gedanken zu “Wie backe ich einen flachen Kuchen als Basis für Motivtorten?

  1. Liebe Anna,
    das liest sich richtiggehend spannend und informativ. Für mich ein Paralleluniversum mit ganz viel Wissen, das sich bisher nicht präsentierte. Backen und Kuchenessen sind bei uns zwar gepflegte und geschätzte Traditionen, aber auf Optik gibt man im Hause Werkeltagebuch nicht so viel. Mein Marmorkuchen wächst immer immer immer aus der Gugelhupf-Form heraus und das kleine Volk juchzt, die Mutter schneidet ihm wieder die Extremitäten ab (und sie dürfen sie essen, klar), sonst würde nicht mal der trockene Geburtstagskuchen einigermaßen gerade stehen.
    Also, Du siehst, Bedarf ist da. Und ich staune!
    Sei geherzt von Nina

  2. Danke Anna, für diese Anleitung. Motivtorten sind für mich bisher ein Buch mit sieben Siegeln, es erscheint mir alles so kompliziert und aufwändig. Die Tortenbasis würde ich mit deiner Anleitung aber hinbekommen, glaube ich (der schwierige Teil fängt vermutlich erst danach an…)
    Liebe Grüße,
    Daniela

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