Zwetschgenknödel wie bei Oma – oder: Achtung, ganz schön persönlicher Post!

So ihr Lieben,

der Herbst naht ja in großen Schritten 😦 und so ist das Thema Zwetschgen nicht mehr weit. Damit verbinde ich genau eine Köstlichkeit aus meiner Kindheit, nämlich Omas Zwetschgenknödel. Wer sich den nun folgenden sentimentalen Schmu sparen will, der kann zum Rezept runter scrollen und dort weiter lesen. Für alle anderen: Here we go.

Das Leben kann ganz schön scheiße sein. Der Freund ist schlecht drauf, weil es im Job schlecht läuft. Der Chef meckert, weil man eine Bestellung falsch rausgeschickt hat. Der Arsch auf dem Supermarktparkplatz schnappt dir den letzten Parkplatz weg. Die Kollegin motzt nur noch rum, weil sie eben ne Motzerin ist. Die Freundin beschwert sich, dass ich mich so selten melde. Die Wohnung ist immer unordentlich, egal wie sehr man aufräumt. Das Wetter ist scheiße. Ich verbringe zu viel Zeit im Internet und zu wenig im Fitnessstudio. Das Konto zeigt schon wieder so wenig an. Der Kuchen ist nix geworden. Die Eier sind abgelaufen.

Und da gibt es ja noch die Oma.

Die Oma war schon immer meine Lieblingsoma. Als Kind habe ich oft bei ihr übernachtet, da gab es immer Überraschungseier zum Frühstück und ich durfte ewig bis in die Nacht Fernsehen gucken. Sie ist die allerherzlichste Oma, die man sich vorstellen kann. Sie hat mir Preise vergleichen im Supermarkt beigebracht und früher hab ich mir gewünscht, dass man den Omaduft als Parfüm kaufen kann. Nach dem Wochenende bei ihr hat mein Schmusekissen immer toll nach ihr gerochen. Und zu Weihnachten und zum Geburtstag gab’s immer selbstgestrickte Pullis, die nicht schön, aber selten waren 🙂 Und die bis heute auf dem Dachboden meiner Eltern in einer Kiste liegen, weil wir es nie über’s Herz bringen würden, etwas davon weg zu schmeißen. Erinnerungen über Erinnerungen und ausschließlich schöne Erinnerungen.

Nicht, dass wir uns falsch verstehen. Meine Oma lebt, sie ist relativ wohlauf, aber sie hat Alzheimer, eine der beschissensten Krankheiten, die sich die Natur ausdenken konnte. An manchen Tagen weiß sie meinen Namen nicht mehr, an anderen hat sie vergessen, dass ich gerade im Nebenzimmer bin. Alles, was diese Krankheit so mit sich bringt, haben wir fast schon durchgemacht.

Und wenn das Leben dann mal wieder so scheiße ist wie *siehe oben* und ich fahre zur Oma raus, wie ich es so zwei bis drei Mal pro Woche mache und auf dem Weg rege ich mich immer noch über Kollegin/Arsch auf dem Parkplatz/Freund/Freundin/Chef/Wetter auf, dann ist sie es, die mich wieder runter holt. Die mir klar macht, dass in meinem Leben alles halb so schlimm ist, dass meine Probleme oder Aufreger Kleinscheiß sind gegen ein Leben, in dem man von Moment zu Moment lebt, in dem man zwar erkennt, dass da ein vertrauter Mensch vor der Tür steht, aber keinen Namen mehr zuordnen kann. Ich freue mich einfach über sie und viele Kleinigkeiten, so wie ich es in meinem eigenen Leben nicht immer kann. Ich freue mich, wenn sie nach meinem Klingeln das Fenster öffnet und „Yay!“ schreit, weil sie sieht, dass ich sie besuchen komme. Ich freue mich, wenn sie es schafft, den richtigen Knopf zu drücken, um mich in die Wohnung zu lassen. Ich freue mich, wenn sie sich über meinen mitgebrachten Kuchen freut und gleich mal zwei Stück davon isst. Ich freue mich, wenn sie dazu zwei ganze Gläser Wasser trinkt. Alte Leute müssen viel trinken. Ich freue mich einfach, wenn es für sie noch Momente gibt, in denen es einfach und schön ist. Und dann ist alles andere egal.

Warum erzähle ich so viel von ihr? Weil sie es war, die Zeit meines Lebens in unserer Familie für die Zwetschgenknödel zuständig war. Als Kind saß ich  in ihrer Küche an einem Tisch, den man aus dem Küchenschrank ziehen konnte (so einen brauche ich auch:-)) und habe mit ihr die Knödel geformt. Jedes Jahr, für die ganze Familie. Und die war damals schon groß und ist heute noch viel größer. Da kam es schon mal vor, dass da dann 40-50 Knödel bei raus kamen. Vor ein paar Jahren hat sie damit aufgehört und dann gab es einige Zeit gar keine Zwetschgenknödel. Und jedes Jahr zur Zwetschgenzeit dachte ich: „Schade, dass Oma die nicht mehr macht.“ Und irgendwann habe ich angefangen selber welche zu machen. Und, als könnte ich anders, im Schnitt produziere ich zwischen 30 und 40 Knödel. Da sind ja die Eltern, die Schwestern mit Kinder, der eigene Mann daheim und natürlich Oma, die auch welche abbekommen soll. So drei pro Person sind realistisch.

Ganz wichtig: Das Rezept muss einen Teig aus Kartoffeln beinhalten, damit es wie bei Oma schmeckt. Und egal welches Rezept ich ausprobiert habe. Ich habe die dreifache Menge Brösel (mmmmhhh, Brösel, fast das Wichtigste am ganzen Knödel) gemacht, weil meine Familie einfach so auf Brösel steht!!!

Und hier kommt ein Rezept aus Chefkoch, dass ich wie immer umgewandelt habe, damit es meinen Bedürfnissen entspricht. Die Menge habe ich auf 4 Portionen (3 Knödel pro Portion) abgestimmt.

Zutaten:

  • 800 gr mehlig kochende Kartoffeln
  • 60 gr flüssige Butter
  • 4 Eigelb
  • 200 gr Mehl
  • 100 gr Grieß
  • 12 Zwetschgen
  • 12 Würfel Zucker

Für die Brösel

  • 100 gr Butter
  • 150 gr Semmelbrösel
  • 100 gr Zucker

Die Kartoffeln weich kochen, pellen und noch lauwarm durch eine Presse drücken oder wie ich (presseloses Wesen) mit einem oldschool Stampfer klein stampfen.

Die flüssige Butter, das eigelb, das Mehl, den Grieß und eine Prise Salzu zugeben und alles zu einem schönen Teig verrühren. Nicht erschrecken, der Teig ist sehr klebrig. Es ist allerdings besser, erst bei dem Rollen der Knödel immer wieder eine kleine Menge Mehl dazu zu geben, weil der Teig das Mehl relativ schnell schluckt.

Dann den Mann an den Tisch zitieren, der dann die Zwetschgen aufschneidet, nur bis zur Hälfte, und dann in jede ein Stück Würfelzucker rein macht.

Das zweite Bild erinnert mich ein bißchen an diese Musikwerbung im Fernsehen, wo der Typ im bad von seiner Augenbraue angequatscht wird. „Huhu, ich bin die Zwetschge Eddie, mach mal zu und press mich in den Teig, damit ich nacher schön durchkochen kann und leckerer Zwetschgensaft aus mir raus läuft!!“

Na gut, dann machen wir das halt.


Da der Teig wirklich seeeeeeeeeeeeeehr klebrig ist, benutze ich Einweghandschuhe dafür und habe immer Mehl bereit stehen. Dann nimmt man eine walnußgroße Menge und umschließt damit die Zwetschge.

Ich persönlich stehe bei den Knödeln neben den Bröseln (mmmhhh, Brösel) vor allem auf den Teig. Und so kommt es, dass meine Knödel ein bißchen mehr Teig enthalten und dann eben auch mal so groß wie ein Apfel sind.

Dann habe ich so ca. 6 Stück auf einmal in einen großen Topf (am besten so 5 Liter) gesalzenes Wasser zum Sieden gegeben. Da schwimmen sie dann ca. 10 Minuten drin.

Währendessen kann man die Brösel (richtig: mmmhhh…..Brösel :-)) zubereiten. Die Butter in eine Pfanne geben, schmelzen lassen und dann die Semmelsbrösel und den Zucker ganz leicht darin bräunen.

Wenn die Brösel….äh, Knödel fertig sind, noch nass in die Brösel geben, wälzen und in eine Schüssel geben. Dort können sie dann in Ruhe ausdünsten bis die restlichen 30 Brüder kommen 🙂

Und so sieht es aus, wenn Anna bei 28°C in ihrer Miniküche Knödel macht:

Und so sieht der Knödel dann aus. Sehr, sehr lecker, sag ich euch!!! Ich persönlich finde ihn ein paar Stunden später noch leckerer, dann ist der Teig ein bißchen fester und nicht mehr so matschig. Außerdem hat die Zwetschge dann auch noch ein bißchen Saft gezogen. Und drüber kommen natürlich: BRÖSEL 🙂

 

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7 Gedanken zu “Zwetschgenknödel wie bei Oma – oder: Achtung, ganz schön persönlicher Post!

  1. Ich liebe Zwetschgenknödel. Aber leider seit 6 Jahren keine mehr gegessen, weil meine Oma mich verlassen hat und ich Dummerle nicht das Rezept aufgeschrieben habe.
    Ich könnte mir heute noch in den Popo beißen!!! 😦

  2. Sehr schöner Beitrag. Musste dabei auch an meine Omi denken, die mittlerweile schon 4 Jahre tot ist. Aber auch bei mir war es immer so. Wenn die Welt gegen mich war, rein ins Auto (oder früh ohne Führerschein in den Zug) und ab zur Omi. Und dort gabs immer Seelentröster-Kakao und frisch gebackener, herrlich duftender Topfenstrudel oder Kuchen. Ich vermisse solche Tage sehr! Danke für den Post und das Rezept (mein Topfenknödelteig zieht übrigens grad im Kühlschrank) 😉

  3. Ein sehr schöner Beitrag, der mich sehr an meine eigene Oma erinnert hat. Sie ist überraschen im Mai nach sehr kurzer, schwerer Krebserkrankung verstorben und ich habe sie jeden Tag nach der Uni erst im Krankenhaus und dann später im Hospiz besucht. Ich vermisse sie ganz furchtbar 😦 Genau wie du habe ich so viel von meiner Oma gelernt, sie war immer für mich da und sie sagte immer, ihre Enkel waren ihr mit das Liebste auf der Welt. Und wie stolz sie auf meine Torten war 🙂

    Nun ja, das Leben ist oft blöd und ungerecht, aber so simple Dinge wie die Marillenknödel deiner Oma oder der Käsekuchen meiner Oma, machen dann doch wieder alles ein wenig erträglicher. Ich kann sehr mitempfinden, wie es dir geht, also fühl dich gedrückt (und schick ein paar Knödel rüber 😉

    1. Mensch Sarah, das tut mir leid. So eine liebe Oma geht immer viel zu früh. Ich hab auch schon Bammel vor dem Tag, an dem meine uns verlässt. Bis dahin will ich noch viel, viel Zeit mit ihr verbringen. Dann ist es vielleicht nicht ganz so schlimm….

      Hast du die virtuellen Knödel gekriegt 😉 Ich drück mal ganz feste zurück.

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