Der Supergau am Sonntagmorgen – Zweierlei Kuchen im Glas

Vor einigen Wochen bat mich eine Freundin um einen Gefallen. Sie wollte auf einem Frühlingsmarkt einige Kuchen im Glas verkaufen, hatte aber mit Familie zu viel um die Ohren. Also griff ich ihr ein bißchen unter die Arme. Sie weiß ja, dass ich immer gerne ein paar Rezepte für den Blog ausprobiere. Sie wünschte sich ein bißchen was Außergewöhnliches, aber nicht zu außergewöhnlich, da die Schwaben ja nicht besonders experimentierfreudig sind. Also habe ich ihr angeboten zwei verschiedene Rührkuchen im Glas zu machen, zum einen einen Schokokuchen mit Irish Cream und zum anderen einen Maracujakuchen mit Kokos.

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Und weil ich nicht so tun möchte, als ginge bei mir nie etwas schief, erzähle ich euch heute die Geschichte des verzweifelsten Sonntagmorgen seit langem. Ich hatte alle Zutaten bereit gelegt, die Gläser waren heiß gespült und ich war hoch motiviert. Leider zeigte sich beim Anrühren des ersten Teiges gleich mal mein nicht vorhandenes Rechentalent. Denn die 1 1/2 Rezeptmengen, die ich angedacht hatte, waren nicht genug. Also nochmal ne halbe Menge drauf. Und dann kommt der immer heikle Moment: raus aus dem heißen Ofen, den durchgekochte Deckel aus dem heißen Wasser holen und direkt drauf schrauben, damit das Vakuum anziehen kann. Kuchen eins hat funktioniert, auch wenn man das heiße Glas mit dem Backhandschuh nur ganz schwer anfassen kann. Und dann kommt Kuchen zwei. Ich hebe ihn an und habe das Gefühl, irgendwie nachfassen zu müssen. Aber da ist es schon zu spät: Wie in Zeitlupe sehe ich das Glas auf das Blech mit den anderen 20 Gläsern runterfallen und es zerschellt in tausend Teile. Ein ziemlich lautes F********* hallt durch die Morgenstille unseres beschaulichen Stuttgarter Vorortes und mein Mann schaut mich entsetzt an. Nicht weil er mit mir schimpfen möchte, sondern weil er Angst davor hat, was als Nächstes kommt. Er weiß nämlich genau, welche fiesen Energien sich in mir ausbreiten, wenn sich bei mir selbstverschuldete Kuchenunfälle ereignen. Und tatsächlich hätte ich am liebsten dieses Scheißblech einfach an die Wand gepfeffert. Mein 18jähriges Ich hätte das wahrscheinlich sogar gemacht. Aber mein 31jähriges Ich sagte: “Wir haben nur 5 Gläser mehr bestellt. Eins ist kaputt, mehr kannst du nicht verschwenden! Also lass es!”

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Also haben wir den Backofen abgeschaltet, das kaputte Glas entfernt und alle bereits gebackenen Kuchen aus den Gläsern geholt, weg geschmissen, die Gläser auf Macken untersucht, mehrfach abgewischt, ausgespült, das Blech mehrfach abgewischt und abgespült und dann noch den Backofen sauber gemacht. Uuuuuuuund alles auf Anfang.

Man kann von Glück sprechen, dass ich Backen so sehr liebe, sonst hätte ich das einfach hingeschmissen und wäre wieder ins Bett gekrochen. Aber nachdem wir dann alle Zweifel und Unklarheiten ausgeschaltet hatten und Herr M. den heiklen Part übernommen hatte “Ich hab größere Hände, damit hab ich den besseren Halt” lief es tatsächlich gut und so kann ich euch jetzt das richtige Rezept liefern. Das Rezept ist an das sogenannte Wunderrezept angelehnt, das vor allem in Motivtorten-Kreisen gerne verwendet wird.

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Für 20 Gläser Schokokuchen mit Irish Cream braucht ihr:

  • 20 Sturzgläser à 225ml
  • 8 Eier
  • 400gr Zucker
  • 400ml Irish Cream
  • 400ml Pflanzenöl
  • 600gr Mehl
  • 5EL Kakao
  • 2 Pck Backpulver

Für 20 Gläser Maracujakuchen mit Kokos braucht ihr:

  • 20 Sturzgläser à 225ml
  • 8 Eier
  • 400gr Zucker
  • 300ml Maracujasaft
  • 100ml Maracujasirup
  • 400ml Pflanzenöl
  • 500gr Mehl
  • 100gr Kokosraspel
  • 2 Pck Backpulver

Ihr rührt die Eier und den Zucker schaumig, am besten 10 Minuten lang. Dann gebt ihr langsam die Flüssigkeiten hinzu (Irish Cream und Pflanzenöl / Maracujasaft, -sirup und Pflanzenöl). Dann vermischt ihr die trockenen Zutaten (Mehl, Kakao, Backpulver / Mehl, Kokosraspel, Backpulver) und gebt diese nach und nach in die Masse. Diesen letzten Vorgang müsst ihr wahrscheinlich von Hand mit einem Löffel ausführen, da die Menge schon ziemlich viel ist.

Die Sturzgläser habe ich nach dem Auspacken in der Spülmaschine im Heißwaschgang gespült und hole sie dort direkt raus, bevor ich den Teig einfülle. Die Gläser dürft ihr nicht voller als bis zur Hälfte füllen, weil de4r Teig noch ganz ordentlich aufgeht. Der Backofen sollte auf 180Grad vorgeheizt sein und dann 25-30 Minuten lang gebacken werden. Stäbchenprobe nicht vergessen.

In der Zwischenzeit kocht ihr die Deckel der Sturzgläser für 15 Minuten in heißem Wasser und holt jeden Deckel einzeln mit einer Zange aus dem Wasser. Wenn der Deckel dann kurz abgedampft ist, nehmt ihr eins der Gläser vom Blech und schraubt den Deckel fest drauf. Den Rest erledigt die Hitze. Also einfach in die Ecke stellen und auskühlen lassen. Und das Ganze jetzt noch 40 Mal und ihr habt die Schulklasse der Kinder, die Kollegen oder die Hochzeitsgäste optimal versorgt.

 

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4 Gedanken zu “Der Supergau am Sonntagmorgen – Zweierlei Kuchen im Glas

  1. Hallo Anna,
    bin heute auf deine Seite gestossen – echt super interessant und unterhaltsam!
    Wie lange sind die Zweierlei Kuchen im Glas und der Lebkuchen-Rübli im Glas haltbar, weißt du das zufällig? Ich möchte Kuchen im Glas zu Weihnachten verschicken und der wird wohl 14 Tage unterwegs sein…
    Danke und hau rein!
    Viele Grüße
    Anita

    • Hallo Anita, reiner Rührkuchen soll wohl bis zu 6 Monate haltbar sein, der Rüblikuchen wird wahrscheinlich nicht länger als 6 Wochen plusminus haltbar sein. Die 14 Tage sind also kein Problem, solange das Vakuum dicht ist, also gut verpacken!

  2. Pingback: “Jetzt hat die doch tatsächlich ihren Geburtstag vergessen!!” | Anna im Backwahn

  3. Hallo Anna! Die Kuchen sehen echt toll aus! Aber diese kleinen Unfälle kenne ich. Gerade dann, wenn man sich besondere Mühe geben will, geht etwas gehörig schief. :-)
    Danke für die beiden Rezepte, ich werde sie bald mal ausprobieren! Ich habe sooo viele Gläser im Schrank, aber immer nur Marmelade einfüllen ist ja langweilig. :-)
    Lieben Gruß
    Viviane

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